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Botulismus äussert sich beim Pferd in drei Erscheinungsformen, dem muskulären und dem toxikoinfektiösen Botulismus (Wundbotulismus), die in den meisten Fällen tödlich verlaufen, und dem visceralen Botulismus mit gemässigtem Krankheitsverlauf.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht dieser drei Formen der Botulismus-Erkrankungen hinsichtlich ihrer Entstehung und deren Folgen muskulärer Botulismustoxikoinfektiöser Botulismus (Wundbotulismus)visceraler Botulismus (visceral: zu den Eingeweiden gehörend):Entstehung Aufnahme des Botulinumtoxins über das Trinkwasser und/oder Futter Das Botulinumtoxin wird von den Bakterien im eigenen Pferdekörper gebildet und gelangt über das Blut an die NervenendenDauerhafte Aufnahme von kleinen Mengen des Botulinumtoxins; Befall der Verdauungsorgane: Folgen, Abläufe, Symptome Generalisierte Lähmung der Skelett- und Kaumuskulatur, Die Botulinumtoxine verhindern die Freisetzung von Acetyl-cholin (wichtige Überträgersub-stanz im Nervensystem) an den Nervenenden. Die dadurch fehlende Übertragung in der Erregungsleitung zwischen Nerv und Muskulatur führt zu Muskelschwäche bis hin zur Lähmung Bleibt in Wunden totes Gewebe zurück und herrschen luftarme Verhältnisse, kann sich das Clostridium botulinum vermehren und Toxin bilden Die gebildete Menge Botulinumtoxin ist nicht tödlich. Verdauungsstörungen (Verstopfung wechselnd mit Durchfall), eine nicht infektiöse chronische Hufrehe (Laminitis), gestaute Venen, Abmagerung und Abgeschlagenheit; die betroffenen Pferde ziehen den Bauch ein; Nachweis der Botulinumtoxine im Darm, nicht im Blut!

Symptome des muskulären Botulismus
Allgemeinzustand, Verhalten: Ataxie, Festliegen bei vollem Bewusstsein
Nervensystem: Zittern und motorische Lähmungen beginnend an den Hintergliedmassen, gefolgt von vollständigen motorischen Lähmungen
Oberer Magen-Darm-Trakt:Lähmung der Zunge (heraushängende Zunge), später Lähmung der Kaumuskulatur, des Rachens und des Kehlkopfes; Kau- und Schluckbeschwerden, Rückfluss des Speisebreis aus dem Magen in die Mundhöhle
Unterer Magen-Darm-Trakt: Verstopfung
Nasen-Rachen-Raum: Atemnot, Lungenentzündung ohne Infektion, später Tod durch Atemlähmung
Bewegungsapparat: Lähmung der Skelettmuskulatur
Augen, Augenlider: Sehstörungen
Sterberate: 90 Prozent

Impfung/Immunisierung:
Hinsichtlich der vorbeugenden Schutzimpfung bei gesunden Pferden (aktive Immunisierung) als auch der Behandlung mit Antiserum bei bereits leicht erkrankten Pferden (passive Immunisierung) bestehen sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland irritierende und zum Teil widersprüchliche Angaben. Auch in Bezug der Auslöser für Botulismus (Bakterien: Typ A, B, C, D, E, F und G) gibt es unterschiedliche Angaben. Eine Quelle nennt die häufigsten Toxine beim Pferd das A-, B- und C-Toxin, andere haben in verseuchten Silageballen und Bodenuntersuchungen vermehrt C2- und D-Toxine festgestellt (erhältlicher Impfstoff Schweiz: ebenfalls Clostridium botulinum, Typ C und D).

Im sehr frühen Stadium kann man mittels Injektion von spezifischen Antikörpern die Toxinwirkung abpuffern (Antidot-Therapie: Polyvalentes Antitoxin (Impfstoff mit antigenen Bestandteilen verschiedener Stämme), 5000 Einheiten intramuskulär, aufgeteilt auf verschiedene Orte). Das Antitoxin kann jedoch nur frei zirkulierendes, noch nicht an die Neurone gebundenes Toxin neutralisieren. Sobald nämlich eine Bindung des Toxins an die Nerven erfolgt ist, dauert es lange (ca. 47 Tage; Veterinärmedizinische Universität Wien), bis sie völlig abgebaut sind. Das für einen Therapieversuch nötige Antiserum soll $ 2500 pro Dosis kosten und sei nur in kleinen Mengen verfügbar (aus den USA).

Therapie nur bedingt hilfreich:
Dennoch: Das an den Nervenenden gebundene Gift ist so fest verankert, dass es durch Botulismus-Antiseren kaum mehr abgelöst werden kann. Die Gabe des Antiserums wäre also nach Ausbruch der Erkrankung relativ sinnlos. Gegen einige der bekannten Typen von Botulismuserregern sind auf dem Weltmarkt Impfstoffe erhältlich. Da leider keine Gruppenresistenz besteht, muss für jede spezielle Erregerart (A–G) der passende Impfstoff eingesetzt werden. Eine Therapie erkrankter Pferde kann nur dann zum Erfolg führen, wenn die aufgenommene Toxinmenge klein war. Bei Aufnahme grosser Toxinmengen ist jede Therapie hoffnungslos.

Wie kann Botulismus verhindert werden?
• Keine Bekämpfung von Ratten und Mäusen mit Giften im Stallbereich; die Tiere könnten sich besonders im Heulager oder anderen Futterlagerstätten verkriechen, verenden und somit Botulinum-Bakterien bilden.
• Bei Verdacht Probenentnahmen im Weide- und Paddockboden, Einstreu und Tränkewasser vornehmen (Erregernachweis).
• Infektionskette unterbrechen: Boden-Futter-Tier-Mist/Gülle-Boden; also zum Beispiel keine Silagegewinnung auf mit Mist oder Gülle gedüngten Wiesen.
• Je weniger Erde in das Futter gelangt, um so geringer ist die Zahl der Bodenkeime.
• Im Frühjahr Abschleppen und Walzen der Flächen, die der Silagegewinnung dienen, da sie die Menge an Erde im Wickelgut verringern; Gleiches gilt für Heuwerbung.
• Einstellung des Mähwerkes auf eine Schnitthöhe von 8 cm über Boden.
• Das gemähte Gras ausreichend mit ordentlichen Maschinen wendeln.
• Möglichst rasche Trocknung des Silageguts, was den Abbau des notwendigen Zuckers beschleunigt (Clostridium botulinum mag saure Umgebung überhaupt nicht).
• Einsatz von Wildrettern beim Mähen vermindert die Gefahr, Tierkadaver mit einzupressen.
• Ein umsichtiger Transport ist besonders wichtig; kein Aufspiessen mit dem Frontlader.
• Lagerflächen und Silos sind vor Vögeln und Nagern zu schützen, zum Beispiel durch Netze.
• Grassilagegrossballen sind ca. 40-mal so gross wie normale, kleine Heuballen. Sie werden in der Regel gleichzeitig an alle Pferde eines Bestandes verfüttert. Hieraus erklären sich Häufungen von Todesfällen in einem Bestand mit nur einem Botulinumtoxin verseuchten Silageballen, während ein verseuchter Heuballen lediglich ein bis zwei Pferde bedrohen kann.
• Nur einwandfreie Grassilage füttern.
• Für kleine Pferdebestände eignen sich 50-Kilogramm-Silageballen; ein geöffneter Ballen muss innerhalb weniger Tage verfüttert werden.
• Silage aus so genannten Fahrsilos sind für Pferde nicht geeignet, da es meist Nasssilagen sind und diese eine offene, in der Regel nicht luftdicht abgeschlossene Schnittfläche haben.

Da die Anhäufung der Botulismusfälle in der letzten Zeit auffällig ist und alle Erkrankungen mit Fütterung von Silage verbunden waren, muss letztlich empfohlen werden, die Futterqualität von Grassilage ausserordentlich kritisch zu beachten. Bei einer qualitativ guten Silage ist das Risiko für Botulismus allerdings vermutlich nicht höher als bei Heufütterung.