Sie sind hier: Startseite

Talent zum Springen angeboren oder erlernbar?

Oder anders gefragt: Ist es möglich, aufgrund von Parametern wie Muskelfaserstruktur und Bewegungsmuster bereits das spätere Springvermögen vorherzusagen - und bringt Training bereits im Fohlenalter bessere Resultate? Eine großangelegte Studie der Universität Utrecht gibt interessante Antworten.

Die Langzeitstudie JUMPEX unter Prof. Dr. Ab Barneveld von der Universität Utrecht lief über 5 Jahre und stellt die bislang größte Studie über Talenterkennung im Fohlenalter dar. In der Projektgruppe waren nicht nur Veterinärmediziner, sondern auch Biomechaniker, Verhaltensforscher, erfahrene Pferdezüchter etc. vertreten. Barneveld selbst war zu dieser Zeit Vorsitzender der Körkommission des KWPN - beste Voraussetzungen also für JUMPEX.

41 Hengstfohlen, alle mit einem Springindex von mindestens 115, beteiligten sich an den Untersuchungen - die eine Hälfte wurde `konventionell` gehalten (im Sommer Weidegang, im Winter Laufstall), die andere Hälfte hatte zusätzlich noch zweimal wöchentlich Freispringen über Hindernisse bis 60 cm Höhe und Konditionstraining zu absolvieren.

Mit 6 Monaten sowie 4 und 5 Jahren wurden die Bewegungsweisen mittels einer kinematographischen Apparatur aufgezeichnet - mit 6 Monaten nur beim Freispringen, mit 4 und 5 Jahren zusätzlich noch unter dem Sattel. Alle Tiere waren mit 3 Jahren angeritten und einer Eigenleistungsprüfung unterzogen worden. Das Springtraining wurde dann mit 30 der 41 Pferde noch über 16 Monate fortgesetzt.

Biopsien aus der Kruppenmuskulatur wurden bei allen Pferden zwischen dem 6. Monat und dem 5. Lebensjahr entnommen.

Die wichtigsten Ergebnisse von JUMPEX:

Es macht keinen Sinn, bereits mit Fohlen Springtraining zu machen - bis zum Alter von fünf Jahren hatte die zweite Gruppe eventuelle kurzfristige Defizite wieder ausgeglichen.

Die Springmanier ändert sich nicht, ist beim halbjährigen Fohlen die gleiche wie beim fünfjährigen - ein gutes Springpferd mit guter Manier ist also schon frühzeitig zu erkennen.

Gutes Lernvermögen und ein gewisser Fluchttrieb korrelieren positiv mit dem Springtalent.

Frühes Training im Sinne einer frühen Beschäftigung mit dem Fohlen hat einen großen Einfluß auf das Verhältnis und die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd - Defizite, die in diesem Alter entstanden, konnten die nicht trainierten Pferde zumindest bis zu ihrem fünften Lebensjahr nicht mehr aufholen.

Trainierte und nicht trainierte Pferde verfügen über die gleichen Muskelfasertypen.

Viele dieser Erkenntnisse sind für erfahrene Pferdezüchter natürlich nicht neu, aber nun erstmalig wissenschaftlich belegt!






Quelle: Jörg Savelsberg (2005): `Junge Hüpfer - Talenterkennung im Fohlenalter?`