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Auswertungen röntgenologischer Rückenuntersuchungen an Vollblütern im Vergleich zu Warmblütern: In der Regel wird der Pferdetierarzt mit Rückenproblemen beim Warmblut-Reitpferd konfrontiert. Dabei werden vorberichtlich als klinische Kardinalssymptome ein empfindlicher Rücken und Rittigkeitsprobleme genannt. Im Rahmen solcher Vorberichte werden immer häufiger Röntgenaufnahmen der Dornfortsätze im Bereich der Brust- und Lendenwirbel erstellt und befundet. Mit der Zunahme der Röntgenqualität und der Möglichkeit, aussagekräftige Darstellungen im Stand ohne Vollnarkose zu erstellen, wächst die zur Verfügung stehende Anzahl an Rücken-Röntgenaufnahmen beim Pferd immer mehr.

Bei im Rennsport eingesetzten Vollblütern ist dieser Vorbericht der Rittigkeitsprobleme als Auslöser für Rückenuntersuchungen extrem selten. Auch im Rahmen von Kaufuntersuchungen und Auktionen ist die röntgenologische Darstellung der Dornfortsätze eher die Seltenheit und wird von den großen europäischen Vollblutauktionshäusern auch nicht als notwendig für einen Verkauf angesehen. Dabei werden sowohl in Frankreich als auch in England bis zu 36 Standard-Röntgenaufnahmen der Gliedmaßen vor der Auktion oder dem Verkauf von Auktionshaus- oder Verkäufer-Seite gefordert. Betrachtet man die Reitweise der Arbeitsreiter der Vollblüter im Training, dann ist festzustellen, dass selbst im Schritt, Trab und ruhigem Galopp deren reiterliche Einwirkung weit entfernt von den „Richtlinien für Reiten und Fahren“ (DEUTSCHE REITERLICHE VEREINIGUNG e.V., 2000) ist und beim Warmblutpferd gerade diese mangelhafte reiterliche Einwirkung als Mit-Auslöser für die Rückensyndrome diskutiert wird. Von den röntgenologisch untersuchten Pferden mit zum Teil sehr deutlichen Befunden wurde keines wegen so genannter „Rückenprobleme“, wie es bei Warmblutpferden üblich ist, vorgestellt. Untersuchungen an 30 Vollblütern Insgesamt wurden 30 Vollblüter im Alter von 1 bis 6 Jahren röntgenologisch untersucht. Dabei handelte es sich um 12 Hengste, 9 Wallache und 9 Stuten. Bei 11 Pferden lagen keine nennenswerten röntgenologischen Veränderungen (Röntgenklasse I), bei 16 Pferden erhebliche (Röntgenklasse III bis IV) und bei 3 Pferden geringgradige Befunde (Röntgenklasse II) vor. Neun der untersuchten Pferde waren jünger als 2 Jahre und hatten noch kein Rennen bestritten. Bei vier dieser neun Vollblüter lagen erhebliche Veränderungen vor. Auf Grund
der geringen Zahlen von untersuchten Pferden und der fehlenden Einordnung möglicher Rennergebnisse zu anderen pathologischen Befunden können nur beschränkte Aussagen getroffen werden. Auffallend ist aber dennoch die relativ hohe Anzahl an erheblichen röntgenologischen Veränderungen bei dieser Zufallsgruppe. Im Rahmen eines Kaufes beim
Warmblut wären wahrscheinlich alle 16 Pferde mit erheblichen Befunden vom Käufer abgelehnt worden. Auch die Menge an röntgenologischen Befunden bei den geröntgten Jährlingen – also vor einer Beeinflussung durch einen Reiter – ist mit fast 50 % erheblichen Befunden auffallend. Um feststellen zu können, ob die Rennleistung der Vollblüter durch die Röntgenbefunde signifikant beeinflusst und ob die Rennleistung durch eine entsprechende Reiterliche Einwirkung verbessert werden kann, bedarf es weiterer und umfangreicherer Untersuchungen.



Quelle: Dr. Thomas Weinberger