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Unklare Hinterhandlahmheiten können bei Wallachen auch nach Jahren der Kastration durch eine schmerzhafte Verwachsung am Samenstrang hervorgerufen werden.

Bei der Kastration von Hengsten können eine Reihe von Komplikationen auftreten. Die meisten davon ereignen sich intra- beziehungsweise einige Tage postoperativ. Anders verhält es sich mit erst mehere Jahre nach der Operation auftretenden Spätkomplikationen. Zu diesen zählt die schmerzhafte adhäsive Verwachsung des Samenstrangstumpfes mit dem Skrotum, welche sich klinisch in der Regel in einer Hinterhandlahmheit äußert. In der hier im Weiteren besprochenen retrospektiven Studie wurden 21 Wallache mit einer pathologischen Samenstrangverwachsung untersucht. Der Kastrationstermin lag bei allen Pferden mehr als drei Jahre zurück. Die Tiere zeigten eine meist schon mehrere Monate bestehende Hinterhandlahmheit. Bei allen untersuchten Wallachen war der vom äußeren Leistenring zum Skrotum ziehende und dort verwachsene Samenstrang deutlich palpierbar und auf Druck schmerzhaft. Eine Umfangsvermehrung oder eine vermehrte Wärmebildung an der Stelle wurde nicht festgestellt. Bei den Tieren wurde im Rahmen der Untersuchung eine Infiltrationsanästhesie im Bereich des Inguinalringes gesetzt. Es wurden 20 ml Lidocain injiziert. Nach 10 bis 15 Minuten wurden die Tiere erneut vorgeführt. Eine deutliche Verbesserung der Hinterhandlahmheit wurde als positives Ergebnis gewertet und die Anästhesie galt als Hinweis auf den Sitz der Lahmheitsursache. In Absprache mit den Besitzern wurden die Tiere einer diagnostischen Operation unterzogen. In der Operation wurde der vom äußeren Leistenring zum Skrotum ziehende Samenstrangstumpf freipräpariert und die Verklebung mit der Skrotalhaut chirurgisch gelöst. Der Stumpf wurde im makroskopisch unveränderten Bereich legiert und möglichst weit proximal abgesetzt. Bei 19 von 21 Pferden wurden die Verwachsungen der Samenstrangstümpfe beidseits gelöst. Auffällig war jedoch, dass bei allen Wallachen bilaterale Verwachsungen des Samenstranges bestanden, die Lahmheit aber nur einseitig bestand. Demnach führt nicht jede Verklebung zwangsläufig zu einer klinisch manifestierten Lahmheit. Die histologischen Untersuchungen des intraoperativ entfernten Gewebes zeigten deutliche Anzeichen einer chronischen Entzündungsreaktion mit massiven bindegewebigen Reaktionen. Nach der Wiederaufnahme des Trainings waren 18 von 21 Wallachen lahmfrei, zwei zeigten eine gewisse Besserung der Lahmheit und ein Patient war unverändert lahm.

Als Ergebnis dieser Untersuchung ergeben sich folgende Empfehlungen: Bei Wallachen mit ungeklärter Hinterhandlahmheit sollte der Inguinalbereich untersucht werden, um Verwachsungen des Samenstranges als mögliche Lahmheitsursache zu berücksichtigen. Die beschriebene Spätkomplikation konnte retrospektiv keiner bestimmten Kastrationsmethode zugeordnet werden. Unabhängig davon ist vorbeugend darauf zu achten, die Samenstränge bei der Kastration so weit wie möglich proximal abzusetzen.







Quelle: A.-F. Echte, C. Schmidt-Ott, W. Claaßen, K. Heczko, C. Gremmes und S. Gremmes (2006): Durch Verwachsung des Samenstranges hervorgerufene Hinterhandlahmheiten beim Pferd – eine Spätkomplikation der Kastration. Pferdeheilkunde 22 (4), 445–8.)