In der Schweiz gibt es keine speziellen Nährwerttabellen in Bezug auf Raufutter für Pferde, so dass für Rationsberechnungen nur Vergleichswerte aus den Nährwerttabellen für Wiederkäuer oder aus den Futterwerttabellen für Pferde der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft (DLG) verwendet werden können.
Aus diesem Grund wurden in 22 Kantonen der Schweiz Grundfutterproben gesammelt, sensorisch beurteilt und chemisch analysiert. Die Pferdehaltungsbetriebe (n = 46) aus denen die Proben (n = 150) gewonnen wurden waren durch hohe Heterogenität gekennzeichnet. Die Anzahl der Pferde pro Betrieb lag zwischen 2 und 170. Bei den Betrieben handelte es sich um Privatställe, Pensions- und Handelsställe oder Zuchtbetriebe. Auch in der Nutzung der Pferde gab es vielfältige Variationen (Sport, Freizeit, Zucht). Auf 22 der Betriebe wurden noch andere Tierarten gehalten. Heu wurde von 24 Betrieben zumindest teilweise selbst produziert. Ansonsten wurde das Raufutter aus der Schweiz oder Ausland zugekauft. Interessanterweise sei noch zu erwähnen, dass sich 24 der Anlagen unterhalb 600 m.ü.M., 13 Höfe zwischen 600 und 800 m.ü.M. und neun über 800 m.ü.M. befanden. Grundlegend muss man hervorheben, dass mehrere Faktoren die Nährstoffgehalte des Raufutters stark beeinflussen können. Die größte Bedeutung fällt sicherlich der botanischer Zusammensetzung und dem Entwicklungsstadium der Pflanze zu. Ebenso haben Düngung (zugeführte Elemente, Menge), Bodenbeschaffenheit, Klima (Niederschlag, Temperatur, Licht) und Art der Konservierung einen Einfluss auf die Eigenschaften des Raufutters. Bei Fütterung der Pferde darf das Kaubedürfnis der Tiere nicht außer Acht gelassen werden. Pferde haben sich im Laufe der Evolution auf die Verwertung von faserigpflanzlichen Material spezialisiert und benötigen dementsprechend ein Futter, das einen relativ hohen Gehalt an Rohfasern aufweist. Kräutern und Leguminosen (Klee) sorgen vor allem im jungen Futter für einen geringen Strukturanteil und erhebliche Konzentrationen an Energie und Protein und machen es für üblich genutzte Pferde weniger geeignet. Der Mineralstoffgehalt des Raufutters, insbesondere Calcium- und Phosphorgehalt beeinflussen die Beurteileilung und die Gestaltung der Gesamtration. Das optimale Ca/P-Verhältnis von 1:1 bis 1:3 kann durch Schwankungen im Raufutter gestört werden. Zurzeit wird in Reiterkreisen häufig Fruktan in Weidegras als Auslöser der Hufrehe diskutiert. Fruktane werden in Graminae (Süßgräser, z.B. Schwingel, Hafer, Mais) als Reservekohlenhydrate gebildet und können im Dickdarm des Pferdes rasch fermentieren. Die Trocknung von Grünfutter bewirkt einen signifikanten Abfall der Konzentration der Fruktane und ihre Bestimmung im Heu ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll. In Deutschland wurde der Fruktangehalt im Gras von Pferdeweiden bestimmt und erreichte Werte von bis zu 81,6 g/kg TS. Diese Konzentrationen werden als Auslöser der Hufrehe als sehr unwahrscheinlich erachtet. Sechzehn von den 58 untersuchten Heuproben wurden nach einer grobsinnlichen Beurteilung als ‹gut› bezüglich ihrer pferdegerechten Struktur befunden. Bei 38 bzw. 10 Proben wurde die Eignung des Heus für Pferde als ‹befriedigend bis gut› bzw. als ‹befriedigend› bezeichnet. Nur 4 Proben wurden bezüglich ihrer pferdegerechten Qualität als ‹mäßig› und keine der Heuproben musste als ‹ungeeignet› bezeichnet werden. Unter den 24 Silage- /Heulageproben konnten 14 als ‹gut› und keine der Proben als ‹ungeeignet› im Sinne von pferdegerecht befunden werden. Die Gehalte an Rohprotein (RP) in Heu, wobei Ökoheu war, lagen zwischen 44,8 und 129,9 g/kg TS. Das Heu hatte einen Rohfasergehalt von 257,5 bis 386,1 g/kg TS. Auffallend war bei den Mineralstoffgehalten des Heus die große Variationsbreite des Ca-Gehaltes von 2,4 g/kg TS bis 13,2 g Ca/kg TS. Der Fruktangehalt der untersuchten Silagen/Heulagen variierte zwischen 2,6 bis 37,8 g/kg TS. Eine noch ausgeprägtere Differenz zeigte sich bei den Fruktangehalten des gesammelten Grünfutters. Der Minimalgehalt lag bei 8,7 g/kg TS und der Maximalgehalt bei 94,3 g/kg TS.
Bei der statistischen Prüfung der Abhängigkeit des Ca-Gehaltes von der Höhe ü. M. der Betriebe ergab sich keine Signifikanz, jedoch stiegen tendenziell die Ca-Gehalt mit der Höhe ü. M. an. Auch der Nichtgräseranteil war tendenziell bei höher gelegenen Betrieben größer. Es ergab sich kein Zusammenhang zwischen den Gehalten an Ca, P und Mg in Schweizer Heuproben und der Düngung der Anbauflächen.
Werden die Ergebnisse dieser Studie mit den Angaben der Nährwerttabellen für Wiederkäuer bzw. den Futterwerttabellen für Pferde der DLG verglichen, so zeigt sich, dass die Werte denen für Heu in Stadium 5/6 je nach Höhe und tatsächlichen Schnittzeitpunkt (über 600 m.ü.M. werden die jeweiligen Stadien später erreicht) etwa entsprechen. Allerdings sind die RP-Gehalte in Schweizer Grundfutter niedriger als im Wiederkäuerfutter und deutschem Pferdefutter, was für Sportpferde durchaus erwünscht ist. Bezüglich der Mineralstoffe entsprechen die Gehalte der untersuchten Proben nicht unbedingt den Angaben für Stadium 5 der Wiederkäuer- und DLGTabellen. Die botanische Zusammensetzung beeinflusst den Ca- und Mg-Gehalt erheblich. Mit steigendem Anteil an Kräutern und Leguminosen erhöhen sich auch die Gehalte an Ca und Mg. Außerdem nimmt der Ca- und Mg-Gehalt mit Anzahl der Aufwüchse zu. Der P-Gehalt wird vor allem durch den Schnittzeitpunkt beeinflusst (Abnahme der P-Konzentration mit zunehmenden Pflanzenalter).
Die Gehalte von analysierten Silagen/ Heulagen konnten mit keinen Tabellenwerten verglichen werden, weil bislang keine Vergleichswerte für Silagen mit einem TS-Gehalt von über 40 % existieren. Da Silagen/Heulagen oft früher geschnitten werden als Heu, sind die mittleren Gehalte an RP und Mineralstoffen höher und eignen sich besonders gut für Pferde mit einem erhöhten Proteinbedarf, wie tragende und laktierende Stuten. Angesichts der überwiegend guter Beurteilung im Hinblick auf pferdegerechte Qualität, sofern die Silage/Heulage lang genug geschnitten wird, und nur unwesentliche geringere Gehalte an RF im Vergleich zu Heu eignet sich Silage/Heulage als Heuersatz für staubempfindliche Pferde.
Quelle: S. Nater, M. Wanner und B. Wiechert:
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